Höhenkrankheit bei Trekking, Nepal
  14.10.2015

Richtig oder falsch? Höhenkrankheit bei Trekking-Reisen

Stimmt es, dass nur Anfänger höhenkrank werden können? Wie wirkt sich Höhe eigentlich auf unseren Körper aus? Und wann macht ein Höhentest auch für Nicht-Profis Sinn? Höhenkrankheit oder „Soroche“, wie die Einheimischen sagen, ist bei Reisen nach Peru, Boliven oder bei Trekkingtouren nicht ungewöhnlich. Wie Sie bei Reisen in der Höhe gesund bleiben  – nachgefragt bei den CRM-Medizinern im Globetrotter in München!

Höhenkrankheit – richtig oder falsch?

  • Nur „Anfänger“ können höhenkrank werden.

Falsch! Höhenkrankheit hängt nicht von der Bergerfahrung, körperlichen Fitness oder gar dem Alter ab. Auch Sportler oder Guides können höhenkrank werden. Bei Guides kommt es sogar durchaus öfter vor, denn auf Höhenunterschiede muss sich der Körper jedes Mal neu einstellen. Wer dagegen seine Reiseroute mit Bedacht und Pausen plant, hält das Risiko zu erkranken klein. 

  • Bis 3.000 Meter in der Höhe merkt man nichts.

Richtig!  Gesunden Menschen bereitet ein Aufstieg bis 2.500m/3.000m in der Regel keine Probleme. Oberhalb dieser Grenze braucht der Körper schon länger, um sich dem verminderten Luftdruck, der „dünnen Luft“, anzupassen. So versucht unser Herz den Sauerstoffmangel auszugleichen und arbeitet schneller. Pro 1.000 Meter büßen wir ca. 10 Prozent unserer Leistungsfähigkeit ein.

  • Nur bei heftigen Schmerzen wird es ernst.

Falsch! Bei Höhenkrankheit gibt es drei Stadien. Bereits bei einer leichten Höhenkrankheit (AMS = Acute Mountain Sickness) hat man mit Kopfschmerzen, Kurzatmigkeit, Schlafstörungen, Übelkeit oder Erbrechen zu kämpfen, fast wie in einem Rauschzustand. Bereits in dieser Phase ist es wichtig, den Aufstieg zu unterbrechen, einen Rasttag einzulegen und zu warten, bis die Symptome abklingen. Hilft die Pause innerhalb von 24 Stunden nicht, so muss man auf eine Höhe unter 2500m absteigen und sich ggf. behandeln lassen.

Ab einer Höhe von etwa 4000m sind gesundheitliche Beschwerden intensiver, im schlimmsten Fall kann es zu einem Lungen- oder Hirnödem mit Koma kommen. In beiden Fällen muss man mit Sauerstoff versorgt und so schnell wie möglich abtransportiert werden, ggf. auch in einem sog. Überdrucksack. Ab 5.300m ist uns eine Akklimatisation nicht mehr möglich.

Höhenkrankheit
  • „Climb high, sleep low“, empfehlen die Experten.

Richtig! Je höher die Region und geringer der Luftdruck, desto länger braucht der Körper, um sich anzupassen. Wenn Sie zum Beispiel von Deutschland aus in die Anden fliegen und auf über 2.500 Metern Höhe landen, hat Ihr Körper keine Zeit, sich langsam an die dünne Luft anzupassen. Die Zeit für die Akklimatisation spielt also bei der Reisevorbereitung eine entscheidende Rolle. So kann man zwar tagsüber durchaus auch höher aufsteigen, solange man für die Nacht wieder absteigt (nicht mehr als 500 m pro Tag Höhenunterschied). Bei einer Tour auf 4.000m braucht der Körper bis zu einer Woche Rast. 

  • Alleinreisende werden häufiger höhenkrank.

Falsch! Die Erfahrung bei Trekkingtouren zeigt, dass Gruppen häufiger als Alleinreisende oder Paare betroffen sind. Gruppenzwang und Ehrgeiz führen dazu, dass Teilnehmer nicht zugeben, wenn sie am Ende ihrer Kräfte sind oder bereits erste Symptome spüren. Der Zeitplan vieler Touren ist so straff, dass selbst Guides häufig an der Höhenkrankheit leiden. Zudem müssen sie viel mehr Gepäck tragen und leben insgesamt unter schlechteren Lebensbedingungen. 

  • Reisen in höhere Gebiete sind nichts für Kinder und Vorerkrankte.

Falsch! Rein körperlich haben Kinder die gleichen Voraussetzungen wie Erwachsene. Gebiete über 2.500m empfiehlt man allerdings bei Kindern erst ab 8 Jahren. Ab diesem Alter können Kinder auch evtl. Symptome gut äußern und einschätzen. Prophylaxe ist für Kinder nicht geeignet.

Bei Vorerkrankten kann die kritische Höhe, ab der mit Gesundheitsrisiken zu rechnen ist, niedriger sein als bei Gesunden. Menschen mit Herz- oder Lungenkrankheiten sollten vor einem geplanten Höhenaufenthalt ärztlichen Rat einholen. Asthmatiker beispielweise können durchaus in höhere Gebiete wandern, wenn sie gut eingestellt sind. Personen mit einer Herzinsuffizienz oder einem erlittenem Herzinfarkt oder Schlaganfall sollten die Höhe meiden. Auch Schwangere sollten Reisen über 2.500 Metern meiden. 

  • Höhentauglichkeitstest ist nur was für Sportler.

Nicht nur! Wer sich das erste Mal in die Höhe traut, z.B. für eine Trekking-Tour oder in ein höher gelegenes Gebiet fliegen möchte (wie Quito auf 2.800m), kann mit dem Test ein erstes Gefühl für seine individuelle Höhentauglichkeit bekommen. Sportler nutzen diesen Test, um mittels eines anschließenden Höhentrainings ihre sportlichen Leistungen zu verbessern. 


Und so läuft ein Höhentauglichkeitstest ab:

In der Reisepraxis der Globetrotter Filiale München kann man seine individuelle Höhenverträglichkeit unter medizinischer Aufsicht testen lassen. Eine Stunde lang atmet man dabei über eine Maske sauerstoffarme Luft ein, wie sie auf 3.500 Meter Höhe herrscht. Vor und nach dem Test sowie alle 15 Minuten währenddessen werden Sauerstoffgehalt im Blut, Puls und Blutdruck gemessen. Ist man die Höhe nicht gewöhnt, merkt man recht schnell denn Unterschied – man atmet schneller und der Körper gibt sein Bestes, um sich einzustellen. Am Ende des Tests steht dann die Wahrscheinlichkeit fest, wie der Körper mit den Bedingungen auf 3.500 m ohne eine Akklimatisation zurechtkommt.

So vermeiden Sie Höhenkrankheit bei Reisen in höhere Gebiete!
  • Flugreisen in >2.500m nicht direkt ansteuern.
  • Touren mit „großzügigen“ Zeitplan buchen bzw. Aufstiegstage mit Rasttagen einplanen.
  • Pro Übernachtung nicht mehr als 500 m Höhenunterschied.
  • Faustregel: Bei 3.500m Höhe ca. 5 Tage Anpassungszeit planen.
  • Ab 4.000m > 1 Woche pausieren.
  • Während der gesamten Tour genügend trinken (mind. 3 L täglich).
  • Auf Medikamente zur Vorbeugung der Höhenkrankheit verzichten (evtl. Lugenödem-Medikamente für den Notfall dabei haben).
  • Höhendruck-Messgerät in der Reiseausrüstung mitführen.
  • Infos zur Infrastruktur, medizinischen Betreuung im Vorfeld einholen.
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