09.04.2014

Reisen in der Schwangerschaft: Ein Notruf aus Tenerrifa

Jeder Tag ist ein kleines Leben. So schlagen die Mitarbeiter der Notrufzentrale auch jeden Tag ein neues Kapitel im Leben der Reisenden auf. Mit dem Finger auf der Weltkarte bereisen sie während der reiseintensivsten Urlaubsmonate innerhalb von 24 Stunden die ganze Welt. Ihr Auftrag: In den schwierigen Momenten für Reisende da zu sein, wenn ihr Schicksal mitten in der Urlaubsidylle eine ungeplante Wendung nimmt und sie in Notsituation geraten. Einer von ihnen war am 19. Mai 2013 Robert H.

Notrufzentrale berichtet: Reisen in der Schwangerschaft

Es sollte ein entspannter Familienurlaub mit seiner Frau und seinen zwei Kindern werden, bevor das Baby kommt. Seine Frau fühlte sich wohl, die Schwangerschaft verlief bis dahin ohne Komplikationen. So sprach auch aus ärztlicher Sicht nichts gegen einen Kurzurlaub der Familie H. auf Tenerrifa. Als seine Frau Jessica kurz nach der Ankunft auf der Insel einen Fruchtwasserabgang bemerkte, kam alles anders. Sie war erst in der 29. Woche schwanger, also viel zu früh. Das Paar fuhr zunächst zu einem Frauenarzt in Puerto de la Cruz. Dieser diagnostizierte einen vorzeitigen Blasensprung und verwies Jessica wegen der Gefahr einer Infektion und Frühgeburt sofort in die Uniklinik in Santa Cruz. Durch die Sprachprobleme war jedoch der Austausch mit den Ärzten dort für Jessica H. schwierig und sie war sehr beunruhigt. Zu diesem Zeitpunkt kontaktierte uns ihr Mann.

Frühgeburt in der 29. Woche? Das Risiko war sehr groß.

Nach dem Telefonat mit Robert H. war für uns der Ernst der Lage klar. Auch bei einer guten medizinischen Versorgung bleibt eine Frühgeburt in der 29. Woche ein Risiko. Die Sorgen und Ängste sind sehr groß – insbesondere da Frühchen auch nach der Geburt eine längere Betreuung benötigen. So war unser Ziel Jessica H. nicht nur für einen Rücktransport nach Hause so weit es geht zu stabilisieren, sondern ihr vor allem in dieser belastenden Situation zur Seite zu stehen. Um die Kosten der Behandlung musste sich das Paar keine Gedanken machen. Die Auslandskrankenversicherung der ERV übernimmt Krankenhauskosten im Ausland in voller Höhe auch bei Schwangeren und Frühchen bis zur einschl. 36. Schwangerschaftswoche.

In der Uni-Klinik in Santa-Cruz.

Nach kleinen telefonischen Anlaufschwierigkeiten (das Krankenhaus in Santa Cruz führte Jessica H. nur unter ihrem Vornamen „Señora Jessica“, da der Nachname für die Spanier unaussprechlich war) erhielten wir von den Ärzten eine Einschätzung ihrer medizinischen Situation und konnten sie auch selbst sprechen. Die Uni-Klinik in Santa Cruz gehört zu unseren Vertrauenskrankenhäusern – das bedeutet, wir kennen die Arbeit und die Leistungen dieser Krankenhäuser sehr gut und kooperieren eng, so dass eine gute medizinische Versorgung der Reisenden sicher ist.

 

ambulanzflieger Organisation

Mit dem Learjet von Teneriffa nach Frankfurt.

Der Zustand von Jessica H. und ihrem Baby war die darauffolgenden zwei Tage zum Glück wieder stabil, so dass sie am 22. Mai transportfähig war. Bei einem Kranken-Rücktransport  ist die Organisation im Vorfeld und enge Abstimmung der Beteiligten alles. Da es denkbar war, dass das Kind auch in der Luft zur Welt kommen könnte, entschied sich unser Notfallteam für einen Ambulanzflieger mit Spezialausstattung für die Geburtshilfe. Wer schon mal einen Ambulanzflieger von innen gesehen hat, weiß wie klein und eng es dort ist. Hier muss jeder Handgriff sitzen, sonst kommt man sich schnell in die Quere. Wir sprachen ein mögliches Geburtsszenario genau durch. Außerdem erledigten wir die Ein- und Ausreiseformalitäten und kümmerten uns um den Transport vom Krankenhaus zum Flieger und vom Flieger ins heimische Krankenhaus. Noch in der Früh des 23. Mai startete der Learjet von Teneriffa nach Frankfurt. An Bord waren ein Gynäkologe, eine Hebamme, ein Intensiv-Pfleger und drei Piloten – für den Fall, dass bei Jessica H. Komplikationen auftraten, die eine Zwischenlandung und Personalwechsel erforderlich machten. Nachts um ein Uhr kam dann der Anruf von unserem Notfallteam, dass Jessica H. sicher in ihrem Heimatkrankenhaus eingetroffen ist.

Ein großes Aufatmen für die ganze Familie! Und noch mehr: Auch für uns war die E-Mail mit dem Foto von der kleinen Pia rund zwei Wochen später das schönste Dankeschön!

 

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