07.03.2014

Beinfreiheit über den Wolken – der Knie-Verteidiger

Wer kennt die Situation nicht: Man hat es sich in seinem Sitz im Flieger gerade bequem gemacht, die Beine so verstaut, dass man einigermaßen sitzen kann und dann lehnt der Vordermann seinen Sitz zurück. Viele Menschen werden trotzdem noch einigermaßen Platz haben, wer jedoch, wie ich, etwas größer als der Durchschnitt ist, für den ist es mit der Beinfreiheit vorbei. Die Knie werden in die Rückenlehne des Vordermanns gedrückt und an ein entspanntes Arbeiten mit dem Laptop auf dem Bordtisch oder dem Genuß des servierten Essens ist nicht mehr zu denken. Zumindest fragen, ob er seinen Sitz zurücklehnen kann, hätte er mich mal können, denke ich oft. Aber würde ich wirklich ja sagen?

Die Lösung heißt „Knee Defender“

Im Internet bin ich auf ein Produkt gestossen, welches die Lösung für mein Problem darstellen könnte. Die Firma Gadget Duck bietet auf Ihrer Webseite einen „Knee Defender“ an, also einen „Knie Verteidiger“. Im wahrsten Sinne des Wortes. Das Gadget sieht ziemlich unscheinbar aus: Zwei graue Plastikteilchen in U-Form mit einem Schlüssel, um diese während des Einsatzes abzusperren. Die Verwendung dieses Gerätes ist denkbar einfach, sofern an der Rückenlehne vor einem ein ausklappbarer Tisch angebracht ist. Man klappt diesen einfach herunter und bringt den „Knee Defender“, also die beiden Plastikhaken, an den beiden Halterungen des Tisches links und rechts an. Durch auswählen der entsprechenden Position auf Höhe der beiden Halterungen, kann der Vordermann seine Lehne gar nicht mehr oder nicht mehr ganz zurückstellen. Die Beinfreiheit ist somit gesichert. Einen Haken hat die Sache aber: Man darf den Ausklapptisch erst dann herunterklappen, wenn die Anschnallzeichen erloschen sind. Ab diesem Moment darf der Vordermann aber auch seine Lehne zurückstellen. Man muss also schnell sein…

Wie der Knee Defender genau funktioniert, erklärt dieses Video:

In den USA ist die Benutzung des Knee Defenders zumindest nicht verboten. Auf der Webseite des Herstellers Gadget Duck wird der Sprecher der US Luftfahrtbehörde Paul Takemoto zitiert:

FAA spokesman Paul Takemoto said the clips were not against federal aviation rules as long as they weren’t used during taxiing, takeoffs or landings.

Frei übersetzt bedeutet dies, dass der Einsatz des Knee Defender grundsätzlich nicht gegen die Luftfahrtbestimmungen verstösst. Ein solcher Verstoß wäre nur dann gegeben, wenn  das Gerät bereits während der Start- und Landephase verwendet würde. Eine entsprechende Stellungnahme einer deutschen Airline konnte ich zu diesem Thema bislang noch nicht finden.

Sitzkomfort – ein Streitthema über den Wolken

Wenn man sich eine Umfrage von Skyscanner anschaut, die 1000 Fluggäste nach ihrer Meinung zu zurückklappbaren Sitzen befragt hat, lässt sich eine deutliche Tendenz ablesen: 90 Prozent der Reisenden wünschen sich ein Ende des eingeschränkten Platzes durch zurückgeklappte Sitze und würden sich sogar für ein Verbot auf Kurzstrecken oder eine zeitliche Einschränkung aussprechen. Eine Veränderung der Regelung für das Zurückklappen der Sitze im Flieger könnte auch die Arbeit für das Bordpersonal vereinfachen. Unter den Stewardessen und Stewards wurden bereits knapp 60% Zeuge einer Auseinandersetzung zwischen Fluggästen wegen des Zurücklehnens von Sitzen. In einzelnen Fällen soll es sogar zu Handgreiflichkeiten gekommen sein.

Die Möglichkeit die Rückenlehne nach hinten zu verstellen, sollte den Komfort auf Flügen eigentlich erhöhen. Wenn man jedoch den Umfragen Glauben schenkt, erzeugt diese Möglichkeit eher Unbehagen und führt in einigen Fällen auch zu Auseinandersetzungen zwischen den Passagieren. Ob der Einsatz des Knee Defender vor diesen Auseinandersetzungen schützen kann oder eher das Opfer zum Täter macht? Wie wird wohl jemand reagieren, der feststellen muss, dass sein Sitz durch dieses kleine Gadget blockiert wird?

Update 26.08.2014: Nachdem ich am Ende meines Artikels damals die Frage gestellt habe, wie jemand darauf reagieren wird, wenn er feststellt, dass seine Lehne durch den Knee Defender blockiert wird, habe ich nun die Antwort darauf bekommen: Passagiere streiten über Sitzplatz – Flugzeug muss landen

Dass es deswegen aber gleich zu einer Landung kommen muss, hätte ich nicht gedacht. Ich bin aber mal gespannt, ob der „Knie Verteidiger“ nun komplett verboten wird…

3 Kommentare zu “Beinfreiheit über den Wolken – der Knie-Verteidiger”
  1. anna1985

    Ich habe grad einen 11 Stunden-Flug hinter mir. Vor mir saß ein Paar, das die Lehnen nach hinten gestellt hat. Ich hatte während des ganzen Fluges klaustrophobische Anfälle. Ich hätte mir den knee defender sehr gewünscht.

    Leider ist heute ein Flugzeug wegen eben so einem defender zwischengelandet. Passagiere hatten sich zu laut wegen des defenders gestritten. Jetzt werden sie wohl verboten.

    Am Bes

    Antworten
  2. Größere Sitzabstände würde die Dikussion überflüssig machen. Bin mal mit Swiss Air Linienflug geflogen. Mit ausgestreckten Beinen bin ich nicht an den Vordersitz gekommen. Da ist es mir also völlig Wurscht, ob der Vordermann die Lehne verstellt.

    Antworten
Hinterlassen Sie einen Kommentar

XHTML: Folgende HTML-Tags können verwendet werden: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>

Diese Artikel könnten Sie auch interessieren: