29.08.2014

Flugangst – und ein Probeflug im Flugsimulator

Flughafen München: Im Cockpit der Boeing 737/800 NG schaue ich auf das Rollfeld. Wie im echten Leben der Kapitän, sitze ich links, neben mir lächelt ganz entspannt Johannes, mein Co-Pilot. Aus dieser Perspektive fühlt sich alles echt an – die vielen Knöpfe, Anzeigen, die Enge (die im Cockpit noch extremer ist), das Streuerungsrad und eben mein Co-Pilot. Schon die Fahrt zum Flughafen hat sich mit schwitzenden Händen und angespanntem Bauch echt angefühlt. Wie könnte es auch anders bei Flugangst sein. In dieser Hinsicht möchte ich jedenfalls nichts unversucht lassen und wage mich heute ausnahmsweise ins Cockpit rein. Könnte es mir mit meiner Flugangst etwas helfen, wenn ich nur mehr über das Fliegen wüsste?

In Hamburg, Düsseldorf und München kann man sich dafür bei iPilot auch ohne Pilotenschein ein Cockpit buchen und angeleitet von echten Piloten im Fliegen versuchen. Die Leute, die einen Flug im Simulator buchen sind laut Johannes ganz unterschiedlich: angehende Piloten, die für das Einstellungsprogramm der Airline üben, Hobby-Piloten, die einen bestimmten Flughafen testen, Flugbegeisterte, die sich aus Spaß und Interesse an Technik ausprobieren oder eben Menschen, die sich ihrer Flugangst im Rahmen eines Flugangstprogrammes stellen. Gerade in diesen Fällen ist es wichtig abzuklären, wie sehr die Flugangst ausgeprägt ist und wie sie sich äußert. So weiß Johannes gleich zu Beginn, wie es um mich steht, was mich interessiert – alles rund um Technik, Turbulenzen und Flugsicherheit – und wie er gezielt auf mich eingehen kann.

Nach einer Einweisung zu den vielen Knöpfen und Instrumenten (mein Kopf schwirrt schon leicht) werden die „Maschinen angeworfen“ und man hört das typische Rauschen der Triebwerke. Dafür dass rund 24.000 Flughäfen im Simulator abgespeichert sein sollen, funktioniert die Technik ziemlich schnell. Nachdem Johannes unser Ziel ausgesucht hat, ist die Königsdisziplin beim Fliegen dran und daher auch immer dem Kapitän vorbehalten – das Rollen des Flugzeugs mit den Fußpedalen. Das riesige Flugzeug mit 50 km/h über den Flughafen mit den Füßen zu steuern und dabei in der Spur zu bleiben, ist nicht so einfach. Vor allem, weil ich nur Dank der hohen Schuhabsätze die Mindestgröße eines Piloten von 1,65 m erreiche.

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Im Flugzeug ist die Sicherheit von Technik bis hin zu Personal immer präsent: Die Steuerungssysteme sind unabhängig von einander zwei oder dreifach gesichert, die Besatzung mit Pilot und Crew wird regelmäßig gewechselt, bei einigen Airlines wird unterschiedliches Essen für Piloten serviert und auch bei der Kerosinplanung wird lieber mehr als zu wenig mitgenommen. So viel, dass man auch eine zeitlang weiter fliegen kann, sollte man am geplanten Flughafen nicht landen können. Selbst bei einem Triebswerksausfall (was laut Johannes sehr unwahrscheinlich ist) könnte das Flugzeug noch einige Kilometer weiterfliegen. Was theoretisch besprochen wird, hole ich praktisch gleich nach und kurze Zeit später schwebe ich triebwerkslos über den Wolken. Wie bei einem echten Flug, übergebe ich dann erleichtert an den Autopiloten und überwache mit Johannes die Flugsysteme. Von Hand geflogen wird bei einem normalen Flug in der Regel nur bei Start und Landung. Und was ist im Notfall? Johannes erklärt den „A-N-C Prozess“, in welcher Reihenfolge es in einer Notsituation zu handeln gilt. Erst die Kontrolle über das Flugzeug bekommen (aviate), dann die Position und die Möglichkeiten z B. für eine Notlandung checken (navigate) und dann die Information an den Tower bzw. die Flugsicherung weitergeben (communicate). Auch Turbulenzen bleiben mir nicht erspart, mein Horror beim Fliegen und Routine für Piloten. Die Herausforderungen für Piloten sind in der Regel weniger technische Probleme oder Turbulenzen sondern eher medizinische Notfälle oder Randale von Passagieren an Bord.

Ich lande! Bei strahlendem Sonnenschein und bester Sicht auf die Landebahn gebe ich mein bestes. Und bekomme sogar Lob! Und weil es so gut funktioniert, probiere ich es gleich nochmal –  nur mit starkem Nebel und ohne Sicht. Ab hier übernimmt Johannes wieder die Kontrolle der ganzen Knöpfe und Displays; die Warnsysteme die bei falscher Höhe oder zu hoher Geschwindigkeit piepen, werden mir dann zu viel. Als der Computer runterfährt, bin ich überrascht, wie schnell die Zeit vorüber ist und fühle mich ziemlich aufgewühlt.

Ob mir mein Testflug für meine Flugangst weiterhilft, kann ich zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht sagen. Nächste Woche fliege ich nach Berlin, dann werde ich sehen, wie es läuft. Egal, ob mit oder ohne Flugangst, es ist auf jeden Fall spannend mehr über das Fliegen zu erfahren. Ganz nebenbei fühle ich mich auch in meinem ausgeprägten Sicherheitsbedürfnis beim Fliegen bestätigt: Auch Piloten gehen privat als Passagier bei jedem Flug auf Nummer sicher und hören den Sicherheitseinweisungen aufmerksam zu.

Eine Erfahrung wert: Flugsimulator Gutschein gewinnen!

Wenn Sie schon immer einen Testflug im Cockpit ausprobieren wollten, schreiben Sie uns einen Kommentar mit ihrem besten Tipp gegen Flugangst oder allgemein für das entspannte Fliegen! Vielleicht haben Sie Glück und gewinnen einen von zwei iPilot-Gutscheinen für einen 30 Minuten Flug in Hamburg, Düsseldorf oder München. Bis 19. September 2014 werden unter allen Kommentar-Teilnehmern zwei Gewinner ausgelost und per E-Mail benachrichtigt. Alle Daten werden nur für die Gewinnerbenachrichtigung verwendet. Sollte sich die Gewinner nicht innerhalb von 30 Tagen nach der Bekanntgabe melden, verfällt der Anspruch auf den Gewinn. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

19 Kommentare zu “Flugangst – und ein Probeflug im Flugsimulator”
  1. Bauer, Kerstin

    einfach denken, man steigt in einen ICE-Zug der einen von A nach B bringt, genauso leise und sicher.

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  2. Wencke Albrecht

    Mein Tipp: ein gutes Buch mitnehmen das lenkt ab. Der beste Sitzplatz bei Flugangst: an den Tragflächen (da ist es am ruhigsten) und Gangplatz wählen, da fühlt man sich nicht so gedrängt.

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    • Mit dem Gangplatz gebe ich Ihnen recht aber über den Tragflächen ist es am ruhigsten? Die Erfahrung habe ich bisher nicht erlebt. Die vorderen Reihen sind meiner Ansicht nach ruhiger.

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  3. Ich trinke beim Fliegen einen Rotwein zum Essen und danach kann ich schlafen wie ein Baby 😀

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  4. Ina Landgraf

    verschreibungspflichtige Tabletten helfen immer 😉 Ich leider an extremer Flugangst, aber lasse mich davon nicht abschrecken und fliege mittlerweile am liebsten Langstrecke…aber nur mit Tabletten 😉 Es wäre ein Traum mal ohne Tabletten fliegen zu können!

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  5. Klopftherapie! Meine Kollegin, die schreckliche Angst vorm Fliegen und auch vorm Zug fahren hatte, hat das gemacht und es hat ihr so gut geholfen, dass sie mittlerweile überhaupt kein Problem damit hat!

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  6. silke caspelherr

    Ich habe immer meine Ingwer Tabletten dabei und versuche mich abzulenken… einen Gangplatz über den Tragflächen versuche ich immer zu bekommen..

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  7. Daniela Schwarz

    ich leide selbst unter Flugangst, aber Gott sei Dank nicht mehr so stark wie früher. Ein Gangplatz muss sein, ein gutes Buch oder Filme schauen zum ablenken, sowie Atemübungen zum Entspannen. Ganz wichtig ist, die Reise schon entspannt, ohne Stress, anzutreten, daher plane ich immer viel Zeit ein.

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  8. Flugreisen anbieten und verkaufen- gar kein Problem! Kunden trösten, aufmuntern und überzeugen Flugreisen zu buchen bei Flugangst – gar kein Problem!
    Aber…….selber fliegen- wird von Jahr zu Jahr, von Flug zu Flug immer schwieriger, da mein „Kopfkino“ so schwer auszuschalten ist. Ich denke, das ist das größte Problem und so rate ich auch dem Kunden, mal darüber nachzudenken, wie sicher so ein Flug doch ist, im Gegensatz zum Autofahren oder Fensterputzen. Die Statistik macht´s.

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  9. Michael Engelhard

    Positives Denken hilft ungemein! Wenn man es sich lange genug vorsagt, dass alles gut geht, dann geht es auch gut. Letztendlich ist es nicht die Angst vorm Fliegen, die man hat, sondern die Angst vor dem Kontrollverlust.

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  10. Ist man erstmal oben und wird abgelenkt ist es auszuhalten, vorausgesetzt es gibt nicht viele Turbulenzen. Aber wenn es heißt ready for take off rutscht mein Herz in die Hose und ich bin ready für Panikattacken 🙁 Dann heißt es Augen zu und durch und hoffen das der Flieger hoch kommt. Aber da muss man durch wenn man in Urlaub möchte…

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  11. Bequeme Kleidung, die Lieblingsmusik im Kopfhörer und der richtige Platz im Flugzeug helfen, sich zu entspannen.

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  12. Frances Kehse

    … einfach tief durchatmen und eventuell ein Kaumgummi kauen. Und ganz wichtig daran denken, das man in ein paar Stunden unter Palmen am Strand liegen kann. Gute Aussichten für die es sich lohnt die Angst zu bekämpfen. 🙂

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  13. Ines Petzoldt

    Am besten sehr bequeme Kleidung (Lieblingsklamotten) anziehen, die nirgends drückt oder kneift. Vor dem Flug sich in eine Ecke setzen und Leute beobachten, das lenkt unwahrscheinlich ab. Im Flieger mache ich es mir schnell so bequem wie möglich gegebenenfalls mit einer Decke und einem Kissen, falls man sowas noch ergattern kann. Und wenn ich viel Glück habe, bin ich schon vor dem Start eingeschlafen.

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  14. Rituale finden und nutzen.

    Ob ein natürlicher Duft (zum Beispiel Lavendel) oder das eigene (aufblasbare) Kissen, ein plüschiger Begleiter … Was immer für denjenigen entspannend wirkt, ist genau richtig.

    Ohrstöpsel, die den Druck mindern helfen und dämpfen. Tabletten sind hilfreich für Stress-Situationen – also lieber dabei haben als „tapfer“ zu sein, das hilft niemandem.

    In Eigeninitiative ein Training mitmachen – Flugsimulator und/oder Sicherheitstraining. Wer versteht, kann (unbewusst) Situationen einordnen und ist dadurch schon entspannter.

    Und während des Fluges, wenn es einem nicht gut geht, die Flugbegleiter ansprechen. Sie sind geschult und können oft den Druck nehmen.

    Gegen feuchte Hände hilft das innere Bild des Zielortes – sich quasi schon mal an den Strand legen oder die schneebedeckten Berge sehen …

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  15. Beate Konieczny

    Ich habe eine Kundin mit Flugangst, die schwört auf Bachblüten. Ich habe es einem weiterem Kunden „empfohlen und auch er meinte es hilft.
    Vieles ist Kopfsache – und so denke ich, muss man auch an die Wirkung von Bachblüten glauben – ich empfehle meinen Kunden (zusätzlich) ruhiges und entspanntes Atmen in den Bauch (das kann man trainieren), möglichst einen Sitzplatz am Gang (Blick aus dem Fenster bereitet meist zusätzliche Angstgefühle), Ablenkung – ein Buch, Musik,ein Kuschel-Kissen – bei Kindern Lieblings-Kuscheltier, auf jeden Fall Essen und Trinken (Kopf und Körper sind abgelenkt), und bei Flügen mit Begleitung natürlich immer die beruhigende Hand des Partners/Freund/in!

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  16. .. Hände des Sitznachbarn (natürlich nur, wenn bekannt!) zusammendrücken und gemeinsam viel lachen. 🙂

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  17. Petra Kaddur

    Einfach nicht ans Fenster setzen und denken, man sitzt im Zug. Musik hören, lesen, ablenken.

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